Bindung ist die Grundlage für Bildung

17.10.2016 10:29

Seit 15 Jahren unterstützt der Pädagogische Fachdienst PFIFF Kindertageseinrichtungen bei der Arbeit mit Kindern, die in keine Schublade passen.

„Die Leistungsfähigkteit des Gehirns wird durch positive Beziehungen in den ersten fünf Lebensjahren entscheidend geprägt.“ Diese Erkenntnis aus der Hirnforschung gab Dr. Julia Berkic vom bayerischen Staatsinstitut für Frühpädagogik (IFP) den rund 100 Teilnehmern mit auf den Weg, die am 5. Oktober ins Landratsamt Ostallgäu gekommen waren. Anlass war das 15-jährige Jubiläum des Pädagogischen Fachdiensts für Kindertagesstätten PFIFF.

Die Anforderungen, die an Kindergärten und andere Einrichtungen gestellt werden, werden immer komplexer. Immer mehr Aufgaben, die vor einigen Jahren noch selbstverständlich im Elternhaus übernommen wurden, schlagen heute dort auf. Der Gesellschaftliche Druck, der auf den Familien lastet, wirkt sich auch auf die Kinder aus.

Diese Entwicklung hat die Lebenshilfe Ostallgäu bereits früh erkannt. Über ihre Frühförderstellen ist sie seit über 40 Jahren in Kitas präsent. Mitte der 90er Jahre erreichten die Frühförder-Mitarbeiterinnen immer mehr Anfragen zum Umgang mit einzelnen Kindern. Im Rahmen ihrer regulären Arbeit konnten diese aber nicht befriedigend geklärt werden.

Die jetzige PFIFF-Mitarbeiterin Christine Monzner-Marxer entwickelte im Rahmen ihres Studiums ein Konzept, wie dieser Unterstützungsbedarf gestillt werden kann. Die Lebenshilfe setzte das Konzept dann zunächst aus Eigenmitteln mit wenigen Stunden um. 2001 konnte dann der PFIFF in seiner jetzigen Form über ein Programm der Staatsregierung aus der Taufe gehoben werden.

Eine Sozialpädagogin, eine Heilpädagogin und eine Psychologin stehen seitdem den Kindertageseinrichtungen in Kaufbeuren und dem Ostallgäu mit Rat und Tat zur Seite, wenn es darum geht, zu klären wie man Kinder, die Auffälligkeiten in ihrem Verhalten oder ihrer Entwicklung zeigen, unterstützen kann. Dabei geht es häufig um die nicht einfach zu beantwortende Frage: „Was kann durch pädagogische Förderung erreicht werden und wo ist medizinische oder therapeutische Unterstützung notwendig.“

Wenn es den PFIFF nicht gäbe, müsste man ihn erfinden

In diesem Bereich hat sich der PFIFF auch bei den Ärzten in der Region guten Ruf erarbeitet. Der Marktoberdorfer Kinderarzt Breiner lobte bei der Veranstaltung ausdrücklich die Arbeit des Teams: Eine schnelle Vermittlung an die richtige Stelle beugt späteren Schwierigkeiten vor, entlastet die entsprechenden Fachkräfte und gibt den Eltern Sicherheit.

Leider hat der Freistaat Bayern die Finanzierung über die Jahre zurückgefahren, so dass der PFIFF 2011 kurz vor dem aus Stand. Doch die Stadt Kaufbeuren und der Landkreis Ostallgäu erkannten die Notwendigkeit und die Qualität der geleisteten Arbeit und sprangen in die Bresche. Dass sie keinen Cent der Förderung bereuen, brachten die Sachgebietsleiterin des Jugendamts im Ostallgäu Mayer und ihr Kaufbeurer Kollege Maurer zum Ausdruck.

Im letzten Jahr konnten die Angebote des PFIFF sogar ausgebaut werden. Über die Pädagogische Qualitätsbegleitung können in Kaufbeuren Kindertagesstätten nicht nur die einzelnen Kinder in den Blick nehmen, sondern auch reflektieren, wie sie das Gesamtsystem Kita (Gruppenzusammensetzung, Tagesablauf etc.) so gestalten können, dass es für Mitarbeiter und Kinder gleichsam förderlich ist.

Auf die Bedeutung des Gesamtsystems ging auch die Referentin Dr. Berkic ein. Es ist die Voraussetzung für gelingende Beziehungen zwischen Erziehern und Kindern. Und dieser Beziehung kommt eine besondere und in zunehmendem Maße wichtige Rolle für die Bildungsperspektiven der Kinder zu. Eine sichere Bindung in der Beziehung zu den pädagogischen Fachkräften kann Belastungen im familiären Umfeld in gewissem Maße kompensieren und so die Voraussetzung dafür schaffen, dass Kinder gut lernen können.

 

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