Inklusion - jetzt erst recht!

30.11.2020 13:36
Lebenshilfe Ostallgäu während Corona

Inklusion – jetzt erst recht!

Was die Lebenshilfe Ostallgäu zum Welttag für Menschen mit Behinderung fordert

Der internationale Welttag für Menschen mit Behinderung wird seit 1993 jedes Jahr am 3. Dezember begangenen. Die Lebenshilfe Ostallgäu begleitet in der Region Menschen mit Behinderung vom Kindesalter an über alle Lebensphasen hinweg.

Intensive Monate liegen hinter dem Team der Lebenshilfe. Pandemie-bedingt galt und gilt es, alle Dienste und Einrichtungen mit möglichst geringen Einschränkungen am Laufen zu halten. „Wir möchten aber nicht alles von diesem Thema bestimmen lassen, und vor allem nicht unser Kernziel aus den Augen verlieren: Die vollumfängliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung,“ beschreibt Ralf Grath, einer der drei Lebenshilfe-Geschäftsführer, die Haltung der Organisation in dieser Ausnahmesituation. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Pandemie sei es wichtig, sich zu positionieren. „Wir haben an vielen Stellen die Erfahrung gemacht, dass im Zuge der Pandemie-Bekämpfung sehr viel über Menschen mit Behinderung gesprochen wurde – aber nicht mit ihnen.“ Daraus zeige sich schmerzlich, dass die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft noch längst nicht verankert sei. Auch der Bundesverband der Lebenshilfe wählt deutliche Worte zum Welttag am 3. Dezember: Die mühsam erreichte Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung dürfe durch Corona nicht in Frage gestellt werden.

Menschen mit Behinderung würden häufig pauschal als eine Gruppe erfasst und mit dem Label „Risikopersonen“ versehen. Dabei gerate aus dem Blick, dass jeder Mensch mit Behinderung ganz individuelle Ressourcen und Risiken hat. Und eben nicht einfach „behindert“ ist. Gleichzeitig sind aber viele Menschen mit Behinderung besonders vulnerabel – allein deshalb, weil immer noch viele Menschen mit Behinderung in größeren Einrichtungen gemeinsam leben und arbeiten. Und überall da, wo es viele Begegnungen gibt, steigt das Infektionsrisiko. „Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe bedeutet sowohl Chance als auch Risiko,“ argumentiert Klaus Prestele, weiterer Geschäftsführer, den Blick auf die Gesamtausrichtung der Lebenshilfe Ostallgäu, unabhängig von Corona.

Konkurrenz zum Bewährten

Im ganzen Ostallgäu gibt es die Sondereinrichtungen der Lebenshilfe, die einen besonderen und wertvollen Raum des Schutzes und der Förderung darstellen. „Und diese Räume braucht es auch weiterhin,“ darin sind sich die Geschäftsführer der Lebenshilfe sicher. Gleichzeitig baut die Lebenshilfe aber auch Alternativen zu diesen Sondereinrichtungen auf. Das klare Ziel: Inklusion von Anfang an verwirklichen und teilweise auch in Konkurrenz zum Bewährten stellen. So zum Beispiel die Projekte zur Inklusion am Arbeitsmarkt, die Menschen mit Behinderung dabei unterstützen, aus den Werkstätten hinaus in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu gelangen. „Dieses Spannungsfeld ist für uns als Organisation nicht einfach auszuhalten. Doch nur so können wir das wichtigste Ziel der Inklusion erreichen: Wahlfreiheit und Selbstbestimmung“, sieht Claudia Kintrup, Dritte im Bunde des Geschäftsführungs-Trios, dieses Verhältnis. Mit Spannungsfeldern und Unsicherheiten müsse man beim Thema Inklusion aber umgehen lernen. Denn Inklusion heißt auch, Grenzen und Kategorien zu überdenken und abgesteckte Felder zu verlassen. Hierbei setzt die Lebenshilfe Ostallgäu auf eine wichtige Ressource: Denn die Organisation ist nicht nur in dem abgesteckten Feld der Eingliederungshilfe, der klassischen Arbeit für Menschen mit Behinderung, tätig. Auch die Kinder- und Jugendhilfe macht einen großen Teil der Dienste aus. Diese haben mit dem Thema Behinderung nur bedingt Berührungen: Jugendsozialarbeit an Schulen, Unterstützung bei Erziehungsschwierigkeiten. Aber auch die verstärkte Tätigkeit als Kita-Träger im Ostallgäu oder die medizinisch-therapeutischen Leistungen, die in und außerhalb der Lebenshilfe angeboten werden. An manchen Einrichtungen wird auch klar, wie fließend die Übergänge zwischen Behinderung und Nicht-Behinderung sind. Klassisch sind hierbei die Interdisziplinären Frühförderstellen zu nennen, die mit Kindern zwischen der Geburt und sechs Jahren arbeiten. Die meisten dieser Kinder haben eine Entwicklungsverzögerung, die durch therapeutische Intervention behebbar ist und sich keine manifeste Behinderung entwickelt.

Gerade in dieser herausfordernden Zeit setzt sich die Lebenshilfe Ostallgäu für mehr Inklusion in der Region ein. Um Menschen mit Behinderung weiterhin den Rahmen geben zu können, den sie individuell benötigen, sei die Organisation auf Spenden angewiesen, so die Geschäftsführer. „Jede Unterstützung wirkt – direkt vor Ort in unserer Region und in dieser Ausnahmesituation mehr denn je.“

Hier geht es zur Übersicht der Spendenkonten der Lebenshilfe Ostallgäu.

 

Pressemitteilung vom 30.11.2020

 

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