Mehr wohnortnahe, kleinteilige Hilfen

14.10.2021 12:58
Jahreshauptversammlung der Lebenshilfe Ostallgäu
Mehr moderne, personenzentrierte Teilhabeleistung stellt Träger wie die Lebenshilfe Ostallgäu vor große Herausforderungen, wie auf der vergangenen Jahreshauptversammlung deutlich wurde. Doch die Grundhaltung des Vereins ist klar: Mehr Selbstbestimmung.

Zukünftig mehr wohnortnahe, kleinteilige Hilfen

Jahreshauptversammlung der Lebenshilfe Ostallgäu im Zeichen des Wandels. Neue Satzung verabschiedet. 

Vieles verändert sich in der Behindertenhilfe, dies wurde auf der Jahreshauptversammlung der Lebenshilfe Ostallgäu deutlich. „Jeder Mensch hat das Recht auf volle Teilhabe und wohnortnahe, kleinteilige Hilfen,“ beschreibt Wolfgang Neumayer, 1. Vorsitzender, die intensiven Entwicklungen in den Einrichtungen. Denn bereits seit 2017 gilt das Bundesteilhabegesetz in Deutschland, das bis zum 1.1.2023 vollumfänglich umgesetzt wird. Es soll die Eingliederungshilfe für Menschen mit einer Behinderung zu einer modernen, personenzentrierten Teilhabeleistung des Fürsorgesystems fortentwickeln. Gleichzeitig stelle es Träger wie die Lebenshilfe vor große Herausforderungen, denn mehr Wahlmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung bedeuten im Umkehrschluss mehr Flexibilität von Angeboten, Diensten und Personal, resümiert Neumayer. „Doch die Selbstbestimmung der Menschen steht für uns klar im Fokus.“ Als Navigationssystem durch die anstehenden Veränderungen soll das neue Leitbild gelten, das derzeit in einer Projektgruppe gemeinsam mit dem Organisationsentwickler Markus Flum erarbeitet werde. Dieser machte in einer kurzen Vorstellung deutlich: „Es werden in Zukunft neue Werte gelten, das Selbstverständnis der Lebenshilfe wird sich verändern.“ Dass die Lebenshilfe für diesen „Systemwechsel“ bereits seit Jahren die Weichen stellt, konnten die anwesenden Mitglieder in den Berichten der Geschäftsführung nachvollziehen.

Claudia Kintrup nannte beispielhaft das neu entstehende Wohnheim für 19 Menschen mit einer Behinderung im Zentrum von Marktoberdorf, welches zum Januar 2023 bezogen werden kann. In Planung ist eine weitere Wohneinheit in Füssen mit bis zu 24 Plätzen. Neben Wohnraum für Menschen mit sehr hohem Hilfebedarf werden dabei auch spezielle Angebote für Menschen mit einer „erworbenen Hirnschädigung“ entstehen, die z.B. durch Schlaganfälle, Unfälle oder Krankheiten Hirnschädigungen haben. „Wir sind hierbei im engen Austausch mit den Fachkliniken in Enzensberg. Bislang gibt es hier in der Region keine geeigneten Wohnmöglichkeiten für diese Zielgruppe, die Nachfrage danach ist entsprechend hoch.“ Auch im Jugendbereich tut sich einiges, neben intensiven Sanierungs- und Brandschutzarbeiten in der Heilpädagogischen Tagesstätte am Sonneneck Kaufbeuren wird die Lebenshilfe die Trägerschaft für das geplante Kinderhaus mit 180 Plätzen am Generationencampus Kleeblatt in Neugablonz übernehmen. Start hierfür ist 2024. „Das sind Meilensteine für uns, aber gleichzeitig Projekte, die den Fachkräftemangel im pädagogischen und pflegerischen Bereich zu einer unserer größten Herausforderungen in den nächsten Jahren machen.“

Auch die Wertachtal-Werkstätten, ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Lebenshilfe Ostallgäu, befinde sich auf einem Weg der Veränderung, beschreibt Geschäftsführer Ralf Grath. „Wir müssen uns weiterentwickeln und durch Außenarbeitsplätze mehr Nähe zum ersten Arbeitsmarkt schaffen, das ist unser Auftrag. Und gleichzeitig müssen wir den sicheren Raum einer Werkstatt gewähren,“ betont Grath die Parallelität der Angebote. Für den Bereich Inklusion am Arbeitsmarkt wurden Stellen geschaffen, weitere Außenarbeitsplätze aufgebaut und bereits einzelne Beschäftigte in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung geführt. Umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen für die Standorte Kaufbeuren und Marktoberdorf sind geplant, doch Fördergelder der Staatsregierung und des Bezirk Schwaben sind aufgrund von massiven Haushaltskürzungen derzeit noch offen. Meilensteine für die Werkstätten waren die Verlagerung der Wäscherei in Marktoberdorf ins Zentrum und die Eröffnung eines Ladengeschäfts in der Füssener Innenstadt.

„Eine große finanzielle Unsicherheit prägte die letzten Corona-Monate,“ bilanzierte Klaus Prestele, dritter im Bund des Geschäftsführungs-Trios. Viele Planungen waren nur auf kurze Sicht möglich, noch heute seien nicht alle Leistungen aus 2020 abgerechnet. Doch habe der Verein die bisherige Pandemie gut überstanden. Mittlerweile zählt die Lebenshilfe Ostallgäu zu einem der größten gemeinnützigen Träger im Allgäu: 540 Mitarbeiter arbeiten für den Verein und noch einmal 880 für das Tochterunternehmen Wertachtal-Werkstätten. Prestele ging ebenso auf die Stiftung Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren ein, deren Zweck es ist, Menschen mit einer Behinderung in der Region zu unterstützen.

Um den Verein für die kommenden Entwicklungen zu rüsten und gleichzeitig eine aktuell gültige Basis zu erhalten, wurde über ein Jahr an einer neuen Satzung gearbeitet, berichtete Wolfgang Neumayer. Da die Mitglieder im Vorfeld bereits den neuen Satzungsentwurf per Post erhielten, wurde dieser nach nur wenigen Nachfragen einstimmig verabschiedet.

In allen Beiträgen der Geschäftsführung und des Vorsitzenden wurde deutlich, dass die Corona-Pandemie extreme Einschnitte für Menschen mit einer Behinderung und deren Familien hervorgebracht hat. „Ohne die Flexibilität und das Engagement unserer Mitarbeiter wären wir nicht durch die vergangenen Monate gekommen,“ zeigt sich Wolfgang Neumayer dankbar für den Einsatz der Mitarbeiter in den über 35 Einrichtungen der Lebenshilfe Ostallgäu und Wertachtal-Werkstätten.

Bildnachweis: Lebenshilfe/David Maurer

Pressemitteilung vom 14. Oktober 2021

Zurück

Diese Website verwendet Cookies. Cookies helfen uns, Ihnen als Benutzer eine optimale Surf-Qualität bieten zu können. Durch die Nutzung erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen.
Datenschutzbestimmungen

OK