Selbstbestimmung ist Kern der Inklusion

22.11.2019 08:18

Selbstbestimmung ist Kern der Inklusion

Selbstbestimmung ist Kern der Inklusion
Jahreshauptversammlung der Lebenshilfe Ostallgäu im Zeichen des Wandels.
Wolfgang Neumayer zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Langweilige Versammlungen, bei denen die Mitglieder nichts verstehen, das muss nicht sein. „Das darf, bei einem Verein wie unserem, auch nicht sein“, sagt Hans Raabe, 1. Vorsitzender der Lebenshilfe Ostallgäu. Die Bundesvereinigung Lebenshilfe ist der größte Selbsthilfeverband Deutschlands. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen auch die Mitglieder mit intellektuellen Einschränkungen verstehen, worum es in der Versammlung geht. Und es geht nicht mit stundenlangen Vorträgen und formellen Berichten.

Der Vorstand der Lebenshilfe Ostallgäu setzte daher auf ein bewährtes Konzept: Die Moderation der Versammlung übernahmen Johanna Zwick, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Markus Knab, Vorsitzender des Werkstattrats der Wertachtal-Werkstätten, im Tandem. Mit gezielten Fragen an den Vorstand und die Geschäftsführung führten sie durch die wesentlichen Ereignisse des vergangenen Jahres.

Gleich zu Beginn gab Geschäftsführer Klaus Prestele Einblicke in die Bilanz der Lebenshilfe, die durchwegs positiv bewertet wurde. Umsatz und Gewinn des Vereins sind im vergangenen Jahr leicht gestiegen, mittlerweile arbeiten knapp 500 Mitarbeiter in den Einrichtungen der Lebenshilfe Ostallgäu, zusätzlich sind noch über 200 Mitarbeiter bei der hundertprozentigen Tochtergesellschaft, den Wertachtal-Werkstätten, beschäftigt.

Prestele erläuterte den Mitgliedern, dass sich auch die wirtschaftliche Lage der Wertachtal-Werkstätten verbessert habe. Schwierige Entscheidungen im vergangenen Jahr, wie z. B. die Schließung der C+C-Küche am Standort Kaufbeuren, zeigten positive Auswirkungen. Dennoch stehen mit Standort- und Sanierungskonzepten für die Werkstätten Kaufbeuren und Marktoberdorf weitere große Vorhaben für die kommenden Jahre an. „Es zeigt sich deutlich, dass sich unsere mutige Entscheidung einer gemeinsamen Geschäftsleitung für Lebenshilfe und Wertachtal-Werkstätten sehr gut bewährt“, betonte Vorsitzender Hans Raabe. Inklusion betreffe den Verein und die Werkstätten gleichermaßen, zahlreiche Schnittstellen können bei der Bewältigung der Aufgaben genutzt werden.

Eine entscheidende Schnittstelle ist dabei das Thema Selbstbestimmung, wie Geschäftsführerin Claudia Kintrup erläutert. Bereits über 180 Mitarbeiter der Lebenshilfe wurden seit 2018 intensiv nach dem WKS-Betreuungsmodell geschult. Willem Kleine-Schaars (WKS) hat eine Methode entwickelt, die Begleiter unmittelbar bei der Umsetzung der Selbstbestimmung für Menschen mit einer geistigen oder seelischen Behinderung unterstützt. Ab 2020 starten die Schulungen der Werkstätten-Mitarbeiter über einen Zeitraum von etwa eineinhalb Jahren.

Herausforderungen bringt die dritte Reformstufe des Bundesteilhabegesetzes, wie Claudia Kintrup mit Blick auf den Bereich Wohnen verdeutlicht. So fordert das Gesetz die Personenzentrierung, was eine Erneuerung der Strukturen bedingt: Ab Januar werden daher im Bereich Wohnen die Leitungs- von den Fachdienstfunktionen getrennt.

Ralf Grath, Dritter im Bunde des Geschäftsführer-Trios, konnte den Anwesenden einen Meilenstein präsentieren: Zum laufenden Kindergartenjahr wurde in Füssen die erste Kindertagesstätte der Lebenshilfe Ostallgäu in Betrieb genommen. Zunächst als Container-Provisorium, soll bis 2021 ein festes Gebäude auf dem Gelände der Füssener Werkstätten entstehen, das Platz für bis zu drei Kita-Gruppen bietet. „Ein Leuchtturmprojekt im Sinne gelebter Inklusion, denn gerade im jungen Alter lässt sich diese am einfachsten realisieren.“

Den Blick hin zum Übergeordneten wendete 2. Vorsitzender Wolfgang Neumayer. Mit der Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes für Verein und Werkstätten stehe in 2020 ein spannender Prozess bevor. Und diesen wird Wolfgang Neumayer selbst intensiv begleiten, denn er wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Symbolisch bekam er dafür den Führungsstab der Lebenshilfe von Hans Raabe übergeben, der die Vorstandschaft weiterhin als Beisitzer unterstützen wird. Zudem dankte Raabe den ausscheidenden Vorstandsmitgliedern Egon Kubelka und Gudrun Keil für deren jahrelangen Einsatz.

„‘Selbstverständlich selbstbestimmt‘ ist nicht nur ein Slogan“, betonte Wolfgang Neumayer am Schluss der Versammlung. „Selbstbestimmung ist der Kern der Inklusion, was eine intensive Lernfähigkeit auf allen Ebenen erfordert.“

Der neue Vorstand der Lebenshilfe Ostallgäu e.V.

  1. Vorsitzender: Wolfgang Neumayer, Pfronten (zuvor 2. Vorsitzender)
  2. Vorsitzende: Andrea Bareth, Günzach (zuvor Beisitzerin)
    Schriftführer: Frank Kroll, Kaufbeuren (im Amt bestätigt)

    Beisitzer:
    Klaus Dopfer, Kaufbeuren (neu)
    Roger Häutle, Marktoberdorf (im Amt bestätigt)
    Hans Raabe, Bad Wörishofen (zuvor 1. Vorsitzender)
    Sabine Thoma, Marktoberdorf (neu)

Bild: Der neugewählte Vorstand der Lebenshilfe Ostallgäu v.l.n.r. Klaus Dopfer, Roger Häutle, Sabine Thoma, Wolfgang Neumayer, Andrea Bareth, Frank Kroll und Hans Raabe.

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